Newsletter
Frühling 2026

Newsletter 01/2026
Sogar der blaue Himmel kann das Unbehagen nicht verdrängen
Liebe Leserinnen und Leser
Liebe Freundinnen und Freunde von JuAr Basel
Liebe Alle
Der Frühling naht, der städtische Aussenraum wird wieder stark genutzt, gerade auch von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, alle strömen ins Freie – um dort in ihre Handys zu starren. Doch sogar der blaue Himmel kann dieses Jahr das Unbehagen nicht verdrängen, kann die Ängste nicht wirklich bannen, die aus einer zunehmend unsicheren, ja unheimlichen globalen Situation entstehen.
«Going to leave this broke-down palace
On my hands and my knees I will roll, roll, roll
Make myself a bed by the waterside
In my time, in my time, I will roll, roll, roll»
Robert Hunter, 1970
Loyalitäten und gesellschaftliche Abmachungen liegen heute auf dem Prüfstein, der sich dann oft genug als Opferaltar erweist. Das gesellschaftliche Vertrauen in Stabilität und Sicherheit nimmt ab. Und all das wird millionenfach interpretiert, auf dem Internet, täglich, 24/7, Hundertausende von Narrativen buhlen um Aufmerksamkeit.
Die Meinungs- und Kulturgrenzen zeigen sich schärfer bewacht als noch vor zehn Jahren. Sie werden derart aggressiv verteidigt, dass Brückenschläge schwierig geworden sind, Selbstverständlichkeiten, die in Eisen gegossen schienen, sind geschmolzen, hinterlassen Unabwägbarkeiten. Und alle kleben immer am Display, das Multimediale ist aufs Bildschirmformat geschrumpft, Ideale werden durch Social Media geformt und vermittelt, aber bitte immer kurz und knapp und knackig, knusprig, süss und sexy…
Jene leidigen Komplexitäten
Wer will sich denn heute noch mit Komplexitäten auseinandersetzen? «Wir» wissen doch eh schon alles. Und falls wir’s nicht wissen, weiss es die KI. Bestimmt. Aber es sind eben gerade jene gefürchteten Komplexitäten, die im Zentrum unseres Interesses stehen sollten, wenn wir – Erwachsene, Jugendliche, Kinder – dieser fordernden Welt noch standhalten wollen, weiterhin wirksam stabile Bögen und Brücken bauen wollen, zwischen Ideologien, Nationalitäten, Religionen. Zwischen echten Menschen letztlich, denn Bildschirmmenschen sind ein fader Ersatz für reale Begegnung.
Wir sollten uns dringend um diese Komplexitäten kümmern, Differenzierung ist der Schlüssel – und wissen Sie, wisst Ihr was? – die Offene Jugendarbeit tut genau das. Denn Offene Jugendarbeit differenziert, will verstehen, erforscht Inhalte, die junge Menschen interessieren, ordnet diese Inhalte kritisch ein, kennt die Themenfelder, auf denen sich Jugendliche heute, in ihren ganz entscheidenden Entwicklungsjahren, bewegen.

Wir wollen es wissen
Zudem ist offene Jugendarbeit freiwillig, kostenlos und niederschwellig. Die Angebote von JuAr Basel bieten Erholung und Action, Gespräch und Reflexion, Spiel und Ernst, chillige Atmosphäre sowie Rahmen und Regeln. Informelle Bildung, als Ergänzung zu Schule und Elternhaus, wird zunehmend wichtiger. Und genau diese hat JuAr Basel im Angebot, differenziert und professionell seit 1942. Unsere Aufgabe verlangt Vielseitigkeit, Flexibilität und eben die Geduld, sich auf Komplexitäten einzulassen. So bleibt unsere Organisation ein Pulsmesser für die Jugend unserer Stadt. Wir wissen, was läuft. Und wenn wir es noch nicht wissen, wollen wir es wissen.
Und in diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen, wünsche ich Euch allen, einen gelungenen Gang durch die Riten und Realitäten eines weiteren Frühlings.
Herzlich
One love
Christian Platz, Präsident JuAr Basel
Jugendberatung (JuBe) von JuAr Basel
Psychosoziale Beratung stark gefordert –
doch seit Jahren chronisch unterfinanziert
JuAr Basel muss endlich mehr Mittel für die Jugendberatung erhalten, um das Beratungsangebot wieder niederschwellig und bedarfsgerecht zu betreiben. Zu gross ist der Andrang, zu schwerwiegend und drängend sind die Lebensprobleme der ratsuchenden jungen Menschen, zu komplex die Fälle. Das kann mit 150 Stellenprozenten, die sich drei Mitarbeitende teilen, schlicht nicht mehr bewältigt werden. Die Warteliste wird immer länger, dringend benötigte Hilfe kommt nicht rechtzeitig an. Und unsere JuBe ist ja die einzige niederschwellige, kostenlose, freiwillige, komplett unabhängige und hochprofessionelle psychosoziale Beratungsstelle für junge Menschen in der Stadt. Eine wesentliche Erhöhung der Staatsbeiträge wäre hier eine gute, wirtschaftlich nachhaltige Investition des Kantons, wie wir finden. Wir können die Ratsuchenden doch nicht im Stich lassen. Aber lest, lesen Sie selbst…
150 Stellenprozente, drei Personen, unzählige Fälle
Wenn Christoph Walter dir die ganz harten Fälle aus seiner Beratungspraxis schildert, dann wirst du staunen und vor Mitleid zerfliessen. Das Happy End ist dann oft genug die Tatsache, dass Christoph – er leitet das Angebot, ist ein erfahrener Beratungsfuchs – und seine beiden Kolleginnen, Nicole Steiner und Madeleine Forrer, wirksam helfen konnten. Doch es soll hier nicht um die härtesten Fälle gehen, sondern um den Alltag.
Die Jugendberatung macht Kurzberatungen und intensive Langzeitberatungen. Der Andrang auf dieses Angebot ist derart stark, dass er mit den vorhandenen Stellenprozenten nicht mehr bewältigt werden kann. Deshalb gibt es eine Warteliste – auch aus Qualitätssicherungsgründen und zum Schutz unserer Beratungsprofis. Das Problem ist: Gerade jene jungen Menschen, bei denen sich die Schwierigkeiten wie Berge auftürmen und die sich endlich durchgerungen haben, eine Beratungsstelle zu kontaktieren, brechen wieder weg. Eine Wartezeit auf einen Ersttermin von 4-6 Wochen ist wirklich nicht mehr zielgruppengerecht. Und wer hier wegbricht, gerät dann oft in eine Problemkaskade, deren Bewältigung am Ende (für die Allgemeinheit) sehr viel teurer und tragischer wird, als es eine professionelle psychosoziale Jugendberatung überhaupt sein kann.

Mehrfachproblematiken
Christoph Walter: «Wir haben viele junge Menschen mit Mehrfachproblematiken, die am Verzweifeln sind, weil sie in unhaltbaren Lebenssituationen stecken. Das kann dann so aussehen: Berufslehre oder Ausbildung abgebrochen, weil es am Lernort Probleme gab oder sie von der Ausbildung überfordert waren, dann Arbeitsamt, Temporärstellen, für die sie teilweise weite Strecken pendeln müssen, gegebenenfalls kommen noch offenen Mieten oder sogar ein Wohnungsverlust dazu.
Sie sind zu oft krankgeschrieben, nehmen vielleicht Drogen, verfügen über wenig Geld, leiden möglicherweise unter Formen von Neurodiversität, haben sich in eine Situation manövriert, die ihnen kaum mehr Lebensqualität bietet. Und dann isolieren sie sich möglicherweise daheim, versinken in Computerwelten, oder sie machen Party, geben dabei mehr Geld aus, als sie es sich leisten können – und das sind nur zwei Formen von Verdrängungsmechanismen. Solche und ähnliche Szenarien nehmen zu.»
Unkenntnis zentraler Anforderungen
Und das hat oft schlicht mit einer Unkenntnis zentraler Anforderungen zu tun, die sich in der Phase des Erwachsenwerdens stellen: Krankenkasse, Steuern, Lebenskosten, Budget. Das wurde ihnen nicht genügend oder zielgruppengerecht vermittelt, weder in der Schule noch im Elternhaus. Und das ist ein ganz zentraler Punkt: Sehr oft haben junge Menschen, die anrufen, weil es ihnen schlecht geht, weil sie nicht mehr schlafen können, in Sorgenkreisen stecken, mit denen sie nicht mehr umgehen können, oft auch ein Schuldenproblem. Da türmen sich die Rechnungen, da beginnen sich Behörden zu melden, es gibt Telefonate mit Inkassobüros. Doch dieser finanzielle Aspekt ist immer Symptom eines grösseren Problemfelds.
Schulden und Ursachen
Wer heute professionelle psychosoziale Beratung für Jugendliche und junge Erwachsene macht, muss übrigens auch in der Schuldenberatung fit sein. Es ist zudem wichtig, dass die Klärung der finanziellen Verhältnisse an eine freiwillige, kostenlose, niederschwellige psychosoziale Beratung gebunden ist. Denn diese Aufräumarbeit schafft meistens erst den Raum, der es ermöglicht, die zugrundeliegenden Ursachen einer Mehrfachproblematik anzupacken.
So gelingt es unserer Jugendberatung, manche Eskalation zu verhindern. Und natürlich sind die drei Beratenden auch Fachleute bezüglich Triage, sind bestens mit allen relevanten Institutionen vernetzt – bei der JuBe wird wirklich eine Wahnsinnsarbeit geleistet. Das können wir auch den positiven Rückmeldungen entnehmen, die von unseren Partnerinstitutionen und von ehemaligen Klienten*innen zurückkommen.
Warteliste muss reduziert werden!
Und nun sehen wir uns zu einem radikalen Schritt gezwungen, nämlich eine Verdopplung der Staatsbeiträge für unsere Jugendberatung zu verlangen. Warum? Das lassen wir Christoph Walter sagen: «Unser Ziel ist es, definitiv keine Warteliste mehr von mehr als einer Woche zu haben. Sonst verlieren wir weiterhin sehr viele Selbstmelder*innen, welche abtauchen. Das ist ein unhaltbarer Zustand, der bald seit Jahrzehnten anhält und sich zunehmend verschärft hat. Niederschwellige und bedarfsgerechte Beratung für junge Menschen kann so nicht mehr gewährleistet werden. Und dafür brauchen wir eine Verdopplung unserer Stellenprozente.» Alles klar?
Chillout
Jugendzentrum Chillout, Kleinhüningen
Endlich eine neue Heimat –
gleichzeitig steht ein Abschied ins Haus
An der Uferstrasse 70, geborgen im Bauch des riesigen Gondrand-Gebäudes, aber mit spektakulärem, grosszügigem Fensterblick auf den Rhein, hat unser Jugendzentrum Chillout Kleinhüningen nach langer Suche eine feste Bleibe gefunden. Gleichzeitig verlässt Claudia Gunzenhauser, Leiterin des Angebots, unsere Organisation Richtung Bern. Sie hat das Chillout seit der Eröffnung aufgebaut. Ein Besuch.

Im Bann des gelben Giganten
Es ist schon monumental, dieses Gebäude, ein gelber Gigant. In all den Jahrzehnten Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit habe ich viele markante Raumhüllen in dieser Stadt von innen gesehen, doch ich hatte nie einen Grund, diesen ehemaligen Lager- und Logistikbau der Firma Gondrand zu betreten.
Heute habe ich einen guten Grund: Ich besuche nämlich das dreiköpfige Team unseres Jugendzentrums Chillout, Claudia Gunzenhauser, Adrian Kiefer und Viktoria Thommen (Praktikantin), an ihrem neuen Arbeitsort. Muss ich jetzt den Eingang Süd oder den Eingang Nord nehmen? Von aussen wirkt das Gondrand fast einschüchternd, sieht nach «Eintritt verboten» aus. Doch in letzter Zeit füllen sich die Räume. Das Chillout ist im dritten Stock beheimatet, nahe an zwei anderen Jugendangeboten, dem Trendsport Basel und dem Spielparadies für Kinder.
Und dann diese grossen Fenster
Die Lifttür öffnet sich, ein langer nüchterner Betongang begrüsst mich. Brutalismus von innen. Unzählige Türen. Ich finde die richtige.
Bin ich im Büro einer Treuhandfirma gelandet? So sieht das Layout aus. Aber hier hat’s coole Graffitis an der Wand, einen guten Billardtisch, eine Dartmaschine, eine grosszügige Bar – und dann diese grossen Fenster mit der Aussicht auf den Rhein.
Nebst dem Hauptraum hat es kleine Zimmer, Rückzugsorte für kleinere Gruppen. Zudem hat das Team endlich ein richtiges Büro. Claudia ist richtig zufrieden:
«Wir hatten zwar fast kein Geld für die Einrichtung, sind durch die Brockenhäuser gezogen, um Sachen zu finden, die fast nichts kosten. Aber wir haben, mit Graffiti-Künstlern zusammen, die Wände verziert, haben endlich einen richtigen Billardtisch, haben mehrere Räume zur Verfügung. Und trotz des Umzugs stabile Nutzungszahlen. Wenn wir am Samstag öffnen, sind manchmal bis zu 70 Jugendliche hier.»
Jene Phase des Nomadisierens
Claudia Gunzenhauser hat das Chillout einst eröffnet und aufgebaut. Zuvor hat sie im Jugendzentrum Lava Birsfelden gearbeitet, schon bevor es von JuAr Basel übernommen wurde. Sie war dann Teil jener Kräfte, die sich dafür einsetzten, dass unsere Organisation das tolle Haus bekommen hat.
2020 haben wir das Chillout eröffnet, an der Kleinhüningerstrasse, in einem Ladenlokal, einem ehemaligen Elektrogeschäft. Von Anfang an war auch Endrit Sadiku im Team, der heute Teil der dreiköpfigen Geschäftsführung von JuAr Basel ist. Doch wir konnten das Domizil nicht lange halten. Als die Kündigung kam, hatten wir zunächst keinen Ersatz.
Deshalb arbeitete das Chillout – eingemietet – für einige Zeit im Quartierzentrum Klÿck.
Dann konnten wir ein Provisorium an der Neuhausstrasse mieten und – zusammen mit einem kurdischen Kulturverein – bespielen. Zwei Räume: ein grosser Hauptraum und ein Estrich.
Claudia: «Das war schon speziell, als wären wir nie richtig angekommen. Man hat sich immer gefühlt, als müsse man gleich wieder die Koffer packen. Immer wieder hiess es, dass wir in drei Monaten raus müssen. Am Ende waren wir drei Jahre dort.»
Grossartige Jugendarbeit und grosse Suche
In dieser Zeit wurde im Chillout grossartige Jugendarbeit gemacht. Claudia und Endrit wagten auch bald den Schritt in die Welt der digitalen Jugendarbeit. Mit ihrer Sendung #JugendLiveTalk, die sie zusammen mit Jugendlichen erarbeiteten, sorgten sie für Furore.
Sie organisierten an der Neuhausstrasse Feste, Bälle und Projekte zu Themen, die junge Menschen heute interessieren – und waren für die Jugendlichen ein Freizeitwohnzimmer, eben ein Ort zum Chillen.
Gleichzeitig wurden unzählige Objekte besichtigt. Immer wieder kam es zu ernsthaften Verhandlungen, einmal sogar zu einer Prüfung durch ein Architekturbüro. Städtische Behörden haben geholfen, das Erziehungsdepartement hat geholfen – doch alles hat sich zerschlagen. Es war wie verflucht.
Namaste, liebe Claudia
Und nun dieser Umzug ins markante Gondrand. Wir konnten das neue Chillout nach einer massiven Umbauphase – Claudia: «Da war schlicht nichts vorhanden» – im Januar 2026 eröffnen. Happy End.
Doch dann kam plötzlich eine ganz und gar überraschende Wendung: Claudia verlässt uns, in diesem Frühling. Diese energische und energetische Jugendarbeiterin, fröhlich, kritisch, von Tatendrang und Konzeptideen erfüllt, yoga-kundig, realistisch und ein bisschen verrückt (wie alle bei JuAr Basel), geht nach Bern und beginnt einen neuen Lebensabschnitt.
Wir bedauern das natürlich, wir verlieren eine grossartige Mitarbeiterin. Ein neues Team wird das neue Haus führen, in dessen Findung und Einrichtung Claudia zutiefst involviert war.
Aber es steckt auch eine cinematische Poesie in der Geschichte: Ziel erreicht. Klappe. Neues Set, neues Leben, neuen (Familien)freuden, neue Szenerie.
Wir wünschen Claudia alles Gute in der Bundeshauptstadt und werden sie vermissen – als kreative Jugendarbeiterin und als loyale Mitreiterin.
JuAr Basel-Talk
MOMENT_AUFNAHME
Das Gewicht des Realen spürbar machen
Ein Gespräch mit Stephanie «Steffi» Schöchle, Leiterin Jugendzentrum Bachgraben: schlau, professionell, durchsetzungsfähig, Sozialarbeiterin mit Herzblut, die vor keiner schwierigen Situation zurückschreckt.

Also, Steffi, was beschäftigt euch zurzeit beim Bachgraben, am Stadtrand – wie sieht die Situation aus?
Wir haben jetzt gerade eine Gruppe 15-jähriger Jungs, bei denen das grosse Thema ist: Wie geht es nach der Schule weiter? Das ist ein klassischer Fall in der Jugendarbeit, diese Umbruchsphasen zu begleiten. Sie beginnen, sich zu informieren, zu recherchieren, Pläne zu schmieden. Wir unterstützen sie auf diesem Weg.
Bei den Jüngeren sind teilweise starke Aggressionen vorhanden, das äussert sich auch in fehlender Wertschätzung unserem Mobiliar gegenüber. Sie testen Grenzen aus – und verhalten sich dabei eher destruktiv. Und wenn es dann um die Übernahme von Verantwortung geht, ist es niemand gewesen – ‘ich war’s doch nicht, ich wusst’s doch nicht, ich habe nix gesehen’ –, das grosse Schweigen.
Was sind die Ursachen dieses Verhaltens?
Das hat ganz klar damit zu tun, dass diese Jugendlichen in der digitalen Welt daheim sind, dass sie immer wieder in diese Welt fliehen, darin versinken können, dort ihre Vorbilder finden. Es ist im Moment eine grosse Aufgabe der Jugendarbeit, diese Jugendlichen mit der realen Welt zu konfrontieren, in der es Abmachungen, Regeln und Konsequenzen geben muss.
Wir befassen uns mit solchen Situationen, bleiben hartnäckig dran, manchmal gibt es Konsequenzen.
Manchmal bewirkt ein befristetes Jugendhausverbot eine spürbare Veränderung, manchmal kommt es wieder zu Schwierigkeiten. Das ist für uns schon eine permanente Herausforderung, standhaft zu bleiben – gegenüber ihren Ausweichmanövern und den Lügen, die seit einiger Zeit mit wachsender Unverfrorenheit vorgebracht werden.
Das ist intensiv, aber wir müssen sie das Gewicht der Realität spüren lassen.
Und wie zahlt sich diese Standhaftigkeit aus?
Wir schaffen es meistens, dieses Verhalten, diese Wildheit zu kanalisieren, sie sozialfähig zu machen – und dann haben wir es hier, in diesem Haus mit den vielen Räumen, richtig gut miteinander. Aber es besteht heutzutage schon immer die Gefahr, dass die Jugendlichen in ihre digitalen Parallelwelten abtauchen.
Kann man sagen, dass das Smartphone heute das absolute Hauptmedium der Jugendlichen ist?
Ja klar. Und eine Folge – das wissen wir alle – ist eine kurze Aufmerksamkeitsspanne. In der digitalen Welt gibt es eben für alle etwas, und das ist kurz, zugespitzt, unreflektiert. Und es warten viele Rabbit Holes auf Jugendliche, in denen sie durchaus versinken können. Mit Gruppenspielen, Sport und Bewegung kann man gegensteuern – das wirkt. Und das zeigt sich ja auch am Hauptinteresse, das alle Jungs hier verbindet: Fussball, real und digital.
Seid ihr eigentlich immer noch so unglaublich gut besucht?
Ja, das hat angehalten. Wobei ich sagen kann, dass es in diesen Fasnachtsferien zum ersten Mal etwas ruhiger wurde – das war in den Vorjahren nie der Fall. Aber meistens steht das Haus – seit unserem Umzug aus der alten Baracke vor einigen Jahren – unter Strom. Wir haben hier, von den Nationalitäten, Kulturen und Lebensumständen her, nach wie vor eine sehr diverse Besucherschaft. Jugendliche aus intakten Verhältnissen treffen auf Jugendliche, die gerade erst aus Kriegsgebieten geflüchtet sind. Unsere Arbeit bleibt spannend.