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Beratung

Jugendberatung von JuAr Basel

Beratung für junge Menschen – niederschwellig, kostenlos und freiwillig.

Die Jugendberatung JuAr Basel bietet Jugendlichen und jungen Erwachsenen (12 – 25) des Kantons Basel-Stadt psychosoziale Beratung, Hilfe und Unterstützung für die Bewältigung von altersspezifischen Frage- und Problemstellungen.

Kontakt: Montag bis Freitag
Tel: +41 61 683 08 80/82
E-Mail: jugendberatung@juarbasel.ch
Web: www.jugendberatungbasel.ch

12.05.26

Newsletter
Mai 2026

Newsletter 02/2026

Prolog

Wegmacher*innen der Offenen Jugendarbeit

Liebe Freundinnen und Freunde von JuAr Basel

JuAr Basel im Mai 2026. In knapp anderthalb Jahren ist es unserer dreiköpfigen Geschäftsleitung gelungen, Tatsachen zu schaffen. Es galt, die komplexe, in Jahrzehnten gewachsene und gepflegte innere Architektur der JuAr Basel, 1942 als Basler Freizeitaktion (BFA) gegründet, zu verstehen, respektvoll, aber mit scharfem Blick. Abläufe wurden überprüft, analysiert – und, wenn nötig, erneuert. Das war, weiss Gott, ein ungeheures Stück Arbeit. Respekt.

«Grab your coat and get your hat
Leave your worry on the doorstep
Just direct your feet
To the sunny side of the street»

Dorothy Fields, 1930

Nun ist eine Stabilität erreicht, auf der wir weiter planen und bauen können. Denn wie die Stadt Basel ist auch die Offene Jugendarbeit eine permanente Bauzone. Jugend erneuert sich permanent, das ist ihre Natur, und bricht dabei immer mit alten Erwartungen. Die Aufgabe unserer Organisation ist es, dem Neuen Raum zu geben, anwaltschaftlich, begeistert, reflektiert, wenn nötig kritisch. Offene Jugendarbeit bleibt nicht kleben, sie setzt keinen Rost an, geht weiter, immer weiter.

Das funktioniert aber nur, wenn der Boden darunter stabil ist, wenn keine unvorhergesehenen Hindernisse im Weg stehen. Dafür sorgen bei uns die 3GL und der Vorstand. Wir sind die Wegmacher*innen der Offenen Jugendarbeit. Freiwillig, niederschwellig und kostenlos sind unsere Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene, das ist so und soll auch so bleiben. Unsere Organisation ist offen, aber sie ist ganz klar humanitären Werten verpflichtet, der Demokratie, der Toleranz, der Dialogfähigkeit. Bei uns sind alle Jugendlichen willkommen, unsere Mitarbeitenden begegnen ihnen ohne Vorurteile, aber mit reflektierter, wertebasierter, professioneller Haltung. Beziehungsarbeit ist Massarbeit, sie trägt jener faszinierenden Verschiedenheit der Menschen Rechnung.

Positive Vibrations

Teile der JuAr Basel-Landschaft wurden in den letzten 17 Monaten umgestaltet. Unsere IT steht auf neuen Beinen, unser Finanzwesen wurde anders strukturiert, wir können in unserem Jahresbericht 2025, der alsbald erscheinen wird, positive Zahlen ausweisen, die interne Kommunikation wurde intensiviert, die externe Kommunikation erweitert, es erscheint nun alle zwei Monate ein Newsletter.

Viel Positives hat sich dieses Jahr ereignet, das Chillout, unser Jugendzentrum in Kleinhüningen, konnte endlich in eine gute neue Bleibe ziehen, im Gondrand-Gebäude am Rheinuferweg. Allerdings gibt es einen ironischen Schicksalsschlenker in der Geschichte: Die Person, die das Chillout aufgebaut, sich am intensivsten für die Suche nach einem neuen Ort eingesetzt hat, Claudia Gunzenhauser, verlässt JuAr Basel nach elf Jahren, sie wandert nach Bern aus. Diesen Monat wurde sie verabschiedet und ihre Nachfolgerin Anna Kaufmann hat die Leitung des Hauses übernommen. Wir wünschen beiden alles Gute!

Eine weitere hervorragende Nachricht betrifft das Pärkli Jam im St. Johanns-Park: Nachdem es letztes Jahr aussetzen musste, weil die Finanzierung nicht gesichert werden konnte, findet es 2026 wieder statt: Vom 19. bis zum 21. Juni. Das Festival wurde organisatorisch auf neue Beine gestellt, ein Verein wurde gegründet, der es in die Zukunft führen wird. Das Jugendzentrum Badhuesli von JuAr Basel – Epizentrum der ganzen Angelegenheit – bleibt natürlich involviert, doch die Federführung liegt in neuen jungen Händen. Das war eine gelungene Operation nach 21 Jahren Festivalgeschichte. Wir wünschen dem neuen Trägerverein viel Glück!

Drei Feiern

Dieses Jahr feiern wir bei JuAr Basel drei grosse Geburtstage: Im Mai wird das Mädona 25 Jahre alt, ein echtes Jubiläum (ach, wenn wir nur mehr Mittel für die Mädchenarbeit zur Verfügung hätten), der PurplePark im Gundeli feiert bereits seinen vierzigsten Geburtstag und im September feiern unsere Angebote im Kleinbasler Kopf der Dreirosenbrücke den Zwanzigsten. Zeichen der Beständigkeit, die den allzu flüchtigen Änderungen und Schwankungen der Zeitläufe die Stirn bieten. Schön… – n’est ce pas?

Herzlich

One Love

Christian Platz, Präsident JuAr Basel

JuAr Basel Insights

Mädona, Treff für Mädchen und junge Frauen

25 Jahre, 2 Standorte, das pralle Leben,
doch tragisch unterfinanziert

Das Mädona heute, im Alter von 25 Jahren, Mutterhaus an der Unteren Rebgasse, mitten im Glaibasel, Filiale im Gundeli, inklusive Mädchen-Café Lady Biscuit, alles bei den Zielgruppen super beliebt – und ohne Stiftungen (Christoph Merian Stiftung, Sulger-Stiftung) sowie die Zusammenarbeit mit der GGG und der Bürgergemeinde der Stadt Basel nicht überlebensfähig. Die Subventionen des Erziehungsdepartements für Offene Jugendarbeit, die spezifisch Mädchen und jungen Frauen zugutekommen, sind vergleichsweise sehr spärlich geblieben. Das war von Anfang an so – und im Jubiläumsjahr bleibt es so. In einem Vierteljahrhundert wurde die Notwendigkeit des Mädona als Ort, als zweites Wohnzimmer für Mädchen und junge Frauen ohne die Präsenz von Jungs und jungen Männern (die in den meisten Jugis ziemlich dominant ist), x-fach bewiesen. Ein veritables Politikum.

Foto: Nicole Pont

Ein Frühlingsnachmittag, gegen 16 Uhr, in der Küche des Mädona an der Unteren Rebgasse wird gerade eifrig gespielt, alle haben sich am grossen Tisch versammelt, das Team, die Praktikantin, Mädchen aus der Tagesstruktur Thomas Platter, die hier regelmässig mit ihrer Betreuerin Nachmittage verbringen, Stammkundinnen aus dem Quartier. Das Spiel ist gerade in einer intensiven Phase, als da plötzlich ein Mann mit Hut hereinkommt.

Alle schauen auf: «Hey, was macht denn der Mann da?» Carmen Büche und Angi Orlando, die Leiterinnen des Hauses, unsere Mädonnen, lachen und erklären: «Das ist nur Christian, unser Präsident, einer der wenigen Männer, die hier reindürfen, er will mit uns reden, für den Newsletter von JuAr Basel.» Der Mann ist akzeptiert, doch die Girls wollen noch eine Runde spielen. Die Konzentrations-Bubble senkt sich wieder über die Gruppe.

«Vieles, das auf der Welt passiert…»

Ich habe, weil der Geräuschpegel im Treff recht hoch war, Duos interviewt. Lena und Anna kommen regelmässig in den Treff, es ist für sie sehr wichtig, dass sie sich hier mit anderen Mädchen austauschen können. Anna: «Hier können wir einmal unter uns sein und uns austauschen, das geht nicht, wenn Jungs dabei sind.» Lena: «Ja, die lachen uns aus, wenn wir über unsere Themen reden wollen, dann haben wir keine Lust mehr. Hier werden wir nicht ausgelacht. Die Frauen im Mädona teilen uns vieles mit, das auf der Welt passiert, wir reden darüber, das ist wichtig – und hier wird niemand wegen seiner Meinung blöd angemacht. Und es geht auch nicht immer um Fussball…»

«…was wir wollen, was wir brauchen»

Einoel und Ronja kommen «immer, wenn wir Zeit haben» ins Mädona. Ronja: «Für mich ist das Mädona ein wichtiger Ort, manchmal bekomme ich von den Leiterinnen hier auch gute Vorschläge, die mir helfen, wenn ich daheim bin und es mir mal nicht so gut geht.» Einoel: «Und man darf hier über alles reden, auch vertraulich, wir werden hier ernst genommen.» Ronja: «Es gibt hier auch oft Programm, wir basteln etwas, kochen, gehen raus, alles, was man sich vorstellen kann.»

Einoel: «Wir haben hier sehr viele Tipps bekommen, die uns helfen, wenn wir Stress haben.» Beide sind sich einig: «Im Mädona bekommen wir, was wir wollen, was wir brauchen. Mit Jungs zusammen wäre das nicht möglich, weil die immer alles komisch finden, was wir machen oder besprechen wollen.»

«Hier können wir zur Ruhe kommen»

Orelia und Sara finden im Mädona «richtig gute Freundinnen und richtig gute Leiterinnen, die uns unterstützen können.» Orelia kommt mit der Tagesstruktur jeden Dienstagnachmittag ins Mädona, Sara «fast jeden Tag, seit ungefähr zwei Jahren». Orelia: «Ich finde die Brettspiele, die wir hier spielen, sehr interessant, die Insiderwitze, die wir hier machen können, gefallen mir. Und das Essen ist auch super.»

Sara: «Es ist sehr wichtig, dass das Mädona nur für Mädchen ist, hier können wir zur Ruhe kommen.» Orelia: «Es ist einfach so, dass wir einander besser verstehen, dass wir uns besser austauschen können, wenn wir unter uns sind.» Beide finden, dass es eigentlich in jedem Basler Quartier einen Mädchentreff geben sollte, denn Teenager-Mädchen würden nicht so oft und leicht aus ihren Wohnvierteln hinauskommen.

«…durchaus noch mehr Mädonas.»

Sabrina Crimi, Fachperson bei der Tagesstruktur Thomas Platter, hat es wöchentlich mit dem Mädona und seinem Team zu tun, seit über drei Jahren kommen die Mädchen aus den fünften und sechsten Klassen regelmässig in die Tagesstruktur. Sie sieht das Mädona als einen «Rückzugsort für Mädchen». Sabrina: «Die Mädchen fühlen sich wohl hier, es ist für sie ein Safe Space im besten Sinne. Hier können sie ihre Themen einbringen, wichtige Mädchenthemen, für die sich die Jungs halt überhaupt nicht interessieren. Es könnte in Basel, meiner Meinung nach, durchaus noch mehr Mädonas vertragen.»

www.maedona.ch

JuAr Basel Insights

PurplePark

Der PurplePark ist 40 Jahre alt
Ein exemplarisches Jugendzentrum
und Lehrstück

Jugendzentren entwickeln alle ihren eigenen Charakter, ihr eigenes Format. Dabei kommt der Lage eine besondere Bedeutung zu: Stadtrand ist anders als inmitten eines urbanen Szenarios. Dazu kommt die Bauweise. Haben wir es mit einem Haus zu tun oder mit einem Containerbau? Hat das Gebäude Umschwung? Wird das Jugi vor allem von Jugendlichen aus dem Quartier genutzt oder hat es eine szenenspezifische Ausstrahlung? Beim PurplePark im Gundeli kommt in dieser Hinsicht gar unterschiedliches zusammen, das Angebot ist eine ganz spezielle Mischung – und: Wer hier arbeitet, wird mit Bauarbeiten konfrontiert; persönlich.

Das Gundeldinger Quartier, jenes Städtchen neben der Stadt, im Raster gebaut wie US-amerikanische Orte, ein Stadtteil mit eigenem Stolz, eine Wohn- und Kulturmaschine, enorm durchmischter Bevölkerung, Gastronomie, Szenenleben. Am Südkopf des Bahnhofs SBB bricht das Raster auf. Belebtes Hin und Her, Passagiere und Passant*innen.
Als das Jugendhaus Gundeli der Basler Freizeitaktion gegründet wurde, gähnte hier schlicht der höhlenartige Eingang in die Bahnhofsunterführung, flankiert von einem Kiosk, einem Veloständer und einem hohen Hag, der die SBB-Welt vom Quartier abtrennte.
Das Jugi war in einem Zweckbau auf SBB-Gelände untergebracht. Entdeckt und belebt wurde es alsbald von der HipHop-Szene, die damals ganz «fresh» und neu war, vor 40 Jahren, als noch die Rockmusik viele Jugendszenen regierte. Schon damals entwickelte das Haus eine Ausstrahlung, die über das Quartier hinausging. Bis es dann abgebrannt ist.

Plattformartige Situation

Der Ausbau des südlichen Bahnhofskopfs hat dann eine ganz neue Situation geschaffen. Überführung statt Unterführung, Läden, Warenhäuser – und am Rand der Bahnhofssituation und der Bahngleise wurde ein Barackengebäude frei, auf IWB-Boden, mit tüchtigem Umschwung, eingehegt; eine urbane, plattformartige Situation, die sich als hervorragend geeignet erwies für ein ganz spezielles Jugendzentrum.
Die Baracke ist übrigens zweistöckig. In den ersten Jahren durfte der erste Stock aus vertraglichen Gründen nicht genutzt werden, das war ein bisschen bizarr, hat sich aber zum Glück geändert. Das Gelände um das Haus bot Chancen, die vom damaligen Team genutzt wurden, kleine Festivals, HipHop und Rock wurden veranstaltet – und dann kam das mit den Skate-Elementen.

Architektur erfahren

Skateboardfahren, artistisch, urban, riskant, trickreich, sehr nahe an der Musikszene, ein Trend, der sich in Basel Ende der 1970er-Jahre zu manifestieren begann, sich die Stadt erfahren, sich die städtische Architektur erfahren: Diese Szene konnte den Umschwung des Jugendzentrums bestens brauchen. Das Team des Hauses begann, mit den Nutzenden zusammen und mit viel Hilfe aus dem Quartier die urbane Plattform zum wettbewerbs- und meisterschaftsfähigen Skatepark umzubauen, konsequent partizipativ.
Gleichzeitig florierte der Offene Treff – und die Räume im Obergeschoss wurden von unterschiedlichen jungen Kunstschaffenden, Musikschaffenden sowie Tanzgruppen genutzt. Elegant bediente das Team die unterschiedlichen Ansprüche der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich hier versammelten. Das Jugi hat Wände, Innenmauern, an die legal gesprayt werden kann – und das Bauen und Umbauen, Team und Nutzende Hand in Hand, von der Planung bis zur Ausführung, gehörte immer dazu, sei es die Zone hinter dem Gebäude, seien es neue Skateelemente oder die Überholung derselben.

Purple Rain? Purple Haze? Purple Park!

Und dann schafften sie es, von der Bezeichnung Jugendzentrum wegzukommen, dabei scheute das Team keine Debatte, sie konnten Geschäftsführung und Vorstand davon überzeugen, dass diese Multi-Plattform im Gundeli einen eigenen Namen verdient hat. Natürlich wurde der Name gemeinsam mit der Nutzendenschaft erhoben: PurplePark. Klingt da noch ein bisschen Jimi Hendrix’ «Purple Haze» an? Oder Prince mit «Purple Rain»? So genau haben wir das nie gewusst. Das Team um Ines Hugle und Silvan Piccolo hat hier Grosses geleistet. Doch die Konstellation war nicht für die Ewigkeit, beide arbeiten heute nicht mehr bei JuAr Basel.

Going green

Auftritt Sabrina Fleury, sie hatte in den letzten Jahren allein die Leitung inne, zeitweise in prekären Teamsituationen, alleine mit Auszubildenden, mit dem Wegbrechen von Teammitgliedern. Doch sie hat sich davon nicht einschüchtern lassen, denn ihr Engagement und ihre Arbeitsmoral sind massiv. Zusammen mit dem Architekten und Skateboard-Veteranen Martin Zbinden hat sie den ganzen Skatepark, ja den ganzen Umschwung des Jugi neu konzipiert und umgebaut, die Mittel dafür hat sie mit Crowdfunding und unzähligen Anträgen aufgetrieben. Inzwischen ist der PurplePark «green» – und der Treff läuft und es wird getanzt, gesprayt, diskutiert, gespielt, rumgehangen, Jugendliche aus dem Quartier und Jugendliche, die aus der Ukraine geflüchtet sind, friedlich unter einem Dach. Während draussen die Skateboards regieren.
Seit einigen Monaten hat Sabrina nun Verstärkung erhalten, zusammen mit Gregor Wallnoefer ist sie nun Co-Leiterin eines fünfköpfigen Teams mit Praktikumsplätzen. Der PurplePark ist eben wirklich exemplarisch, als polyvalente Plattform für ganz unterschiedliche Jugendliche und junge Erwachsene, ein Ort mit einer ganz eigenen, speziellen Energie. ‘It must be magic…’

Aus diesem Anlass veranstaltet JuAr Basel gemeinsam mit der Basler Skate-Community ein zweitägiges Jubiläumsfestival am 23. + 24. Mai 2026 auf dem Gelände des Purple Park. Junge Menschen gestalten das Programm aktiv mit. Geplant sind unter anderem Skate-Contests, Tanz-Workshop sowie verschiedene Essensstände.

www.purplepark.ch

JuAr Basel-Talk

MOMENT_AUFNAHME

«Vereinsamung schon im Ansatz verhindern»

Ein Gespräch mit der Psychologin Lea Duppenthaler. Sie leitet das Projekt «Catching Fire» der JuAr Basel, das vom Gesundheitsdepartement finanziert wird und organisatorisch Teil unserer Jugendberatung ist. Hier stehen Freizeitaktivitäten junger Menschen im Zentrum. «Fange Feuer für dein Hobby» – deswegen «Catching Fire»: es hilft jungen Menschen ein Hobby zu finden und es finanzieren zu können. Weil sinnstiftende Freizeitbeschäftigung gut für die physische und psychische Gesundheit ist und zudem ein wirksames Mittel gegen Vereinsamung darstellt.

Also, liebe Lea, was ist Catching Fire?

Ich sage das jetzt einfach mal in meinen Worten: Es ist ein ganz tolles und wichtiges Angebot für junge Menschen in Basel, die mit herausfordernden Lebensbedingungen klarkommen müssen, konkret Einsamkeit, Migrationshintergrund oder Armut, nicht selten von zwei oder allen drei Faktoren betroffen sind. Mit Catching Fire kann ich ihnen helfen, in Basel anzukommen, sich in ihrer Freizeit und damit in einem wichtigen Teil ihres Lebens wohler zu fühlen. Durch die Teilnahme an einem Freizeitangebot können sie Gleichgesinnte finden, sie machen etwas das ihnen Spass macht und guttut, es ist identitätsstiftend – es ist soziale Integration par excellence.

Dieses Projekt wird ja vom Gesundheitsdepartement finanziert, ein Sonderfall bei JuAr Basel. Es ist während der Lockdown-Zeit entstanden. Was für Absichten stecken dahinter?

Das Ziel war von Anfang an Prävention gegen Einsamkeit. Denn Einsamkeit sowie schlechte soziale Integration können sich negativ auf die Gesundheit auswirken: Sucht, Abhängigkeiten und psychische Probleme treten häufiger auf – dies wiederum generiert hohe Kosten für unsere Gesellschaft. Die Idee hinter Catching Fire ist es, Vereinsamung schon im Ansatz zu verhindern. Fast alle jungen Menschen, die uns kontaktieren, haben Migrationshintergrund, sie sind noch nicht richtig angekommen hier in Basel. Wir können ihnen mit unserem Angebot helfen, Anschluss zu finden, Kontakte zu Gleichaltrigen knüpfen, mit denen sie Interessen teilen, sowie zu Trainer*innen, Coaches und Kursleitenden, die im besten Fall eine Vorbildfunktion übernehmen. Dadurch werden sie in unsere Gesellschaft integriert, als aktive Teilnehmende – damit ist allen gedient. Es ist sehr wichtig, dass junge Menschen, die schon vulnerabel sind, die hier wohnen und noch nicht integriert sind, Anschluss finden; dies verhindert schmerzhafte Lebenswege.

Jetzt mal konkret, wie läuft das ab?

Ich fange mal ganz vorne an. Ich gehe an Schulen, stelle Catching Fire in den Klassen vor. Ich sage den Schüler*innen, dass ich ihnen dabei helfen kann, ein Hobby zu finden. Und falls die Eltern gesagt haben, dass sie es nicht bezahlen können, kann ich auch bei der Finanzierung helfen. Ich habe dafür ein Budget zur Verfügung, aber es gibt auch Stiftungen, die Jugendliche in diesem Bereich unterstützen. Ich stelle das Projekt auch verschiedenen Fachpersonen vor, dabei sind Schulsozialarbeitende besonders wichtig. Sie sind Multiplikator*innen für unser Projekt. Teilweise nehmen sie gemeinsam mit Jugendlichen Kontakt mit mir auf, andere Jugendliche kontaktieren mich, nachdem ich das Projekt vorgestellt habe. Ich treffe die Jugendlichen dann einmal um Hobbywünsche, freie Zeitfenster, finanzielle Situation usw. zu besprechen. Danach funktioniert die Kommunikation via Whatsapp. Ich organisiere ihnen so lange und so viele Probetrainings bis sie in einem Freizeitangebot bleiben wollen und von Seite des Vereins auch dürfen.

Sind diese Schulbesuche der einzige Weg zum Angebot oder gibt es auch Jugendliche, die sich direkt bei Dir melden?

Es gibt immer mehr, die sich direkt melden. Dabei ist Mund-zu-Mund-Propaganda der entscheidende Faktor. Schüler*innen erzählen einander davon, Eltern tauschen sich darüber aus. Wenige kommen, weil sie einen Flyer gesehen haben. Die Meisten erfahren aber von Fachpersonen vom Angebot.

Und was sind die populärsten Hobbys?

Fussballclubs (lacht). Es sind halt die klassischen Hobbys, die bekannten Sachen, die am meisten gewünscht werden: Fussball, Volleyball, Boxen – das sind die drei Schwergewichte. Aber dann gibt es eine unglaubliche Vielfalt von Sachen, die wir vermitteln. Es gibt ja ganz tolle Angebote, die kaum jemand kennt, zum Beispiel Unterwasser-Rugby, Schachclubs oder Tiere pflegen im Zoo. Wenn Jugendliche zu mir kommen, frage ich sie, was sie gerne machen: Bewegst Du Dich gerne? Hast Du lieber Mannschaftssport oder entwickelst Du lieber Deine eigenen Fähigkeiten weiter? Bist du gerne kreativ? So finde ich heraus, was passt. Denn ich kenne inzwischen unzählige Angebote. Manchmal vermittle ich den Jugendlichen Hobbys, von denen sie gar nicht wussten, dass es sie gibt.

Wie ist es mit kulturellen Aktivitäten?

Dazu wollte ich gerade kommen: Sport ist nur eines von drei Standbeinen. Ganz wichtig ist Musik – Gruppenunterricht, die Anschaffung eines Instruments (auch dabei können wir helfen), Singen, Chöre, Ensembles, Bands – das ist alles machbar. Nur Einzelunterricht unterstützen wir nicht, da das Ziel die soziale Integration ist. Das dritte ist der kreative Bereich: Theaterworkshops, Mitgliedschaft in einer Fasnachtsclique, Jugendfeuerwehr, Malkurse usw. Ich empfehle auch Quartiertreffpunkte und die Jugis von JuAr Basel, wenn ich merke, dass Jugendliche einfach ihre Freizeit mit anderen Jugendlichen verbringen möchten, lieber abhängen als lernen – das ist genauso wichtig. Ich verfüge über eine riesige Liste mit Angeboten, ich bin da sehr gut vernetzt. Es gibt auch ganz Unerwartetes: Neulich hatte ich einen sehr cool daherkommenden jungen Mann. Er habe immer Sport gemacht früher, nun wolle er was Neues, was Ruhigeres ausprobieren und mit den Händen arbeiten, hat er gesagt. Nun hat er durch Catching Fire seine Leidenschaft zum Töpfern entdeckt. Das ist doch wunderbar. Weil es in Basel so viele gute Angebote gibt, finde ich für alle etwas, das zu ihnen passt. Es ist mir wichtig, für die Jugendlichen einen Ort zu finden, an dem sie sich zugehörig fühlen, wo sie Freundschaften schliessen können. Das ist ganz zentral für die Identitätsfindung. Gerade kürzlich war ich an einem Konzert, das eine Musiklehrerin organisiert hat, an die ich schon viele Jugendliche vermittelt habe, sie ist eine der wenigen, die Ensembles unterrichtet. Jugendliche, die mir im Beratungsgespräch sagten, sie konnten bisher nicht Musikunterricht nehmen, weil ihre Eltern es sich nicht leisten können, zeigten stolz ein paar Monate später als Jugendorchester vor Publikum, was sie gelernt haben. Das war so schön, so berührend.

Und wie steht es mit den Finanzierungshilfen?

Tatsache ist, dass viele meiner Klient*innen aus Elternhäusern kommen, in denen die Mittel knapp sind, nicht wenige sind Sozialhilfeempfänger*innen. Ich finde es auch wichtig, ihnen eine realistische Vorstellung von möglichen Hobbys aufzuzeigen, dass teure Hobbys, etwa Reiten, meist nicht möglich sind. Aber ich kann sie dann je nachdem an einen Ort vermitteln, wo Pferde gepflegt werden, wo sie Kontakt mit den Tieren haben. In vielen Fällen ist die Unterstützung bezüglich der Finanzierung notwendig: Absprachen mit der Sozialhilfe, Stiftungsanfragen schreiben oder eben über das Catching Fire Budget ganz oder teilfinanzieren. Ich hatte sehr viele Fälle, bei denen ich über Stiftungsanfragen die Hobbyfinanzierung sichern musste. Um diese zeitintensive Arbeit abzukürzen und weil es für meine volljährigen Klient*innen sehr schwierig ist, Freizeitkosten über Stiftungen zu decken, war ich motiviert, das Catching Fire Budget aufzustocken. Das hat zum Glück geklappt. Jetzt habe ich neu Fördergelder der Stadtteilentwicklung aus dem Bereich Einsamkeit zur Verfügung: 12’000 Franken. Das freut mich sehr, damit kann ich den Jugendlichen, deren Familien es nicht bezahlen könnten, die Mitgliederkosten und/oder Ausrüstung für das Hobby bezahlen.

Im Moment wird Catching Fire vom Gesundheitsdepartement evaluiert. Was bedeutet das?

Dabei geht es darum, ob es wirklich klappt, junge Menschen, die von Einsamkeit betroffen sind, zu vermitteln und ob die Vermittlung ihr Wohlbefinden wirklich verbessert. Die längerfristige Projektfinanzierung hängt dann auch vom Resultat ab. Wenn es für gut befunden wird, kann es weitergehen. Daran zweifle ich übrigens nicht.

www.catching-fire.ch

Phone: 061 683 08 80 oder 061 683 08 82

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