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Beratung

Jugendberatung von JuAr Basel

Beratung für junge Menschen – niederschwellig, kostenlos und freiwillig.

Die Jugendberatung JuAr Basel bietet Jugendlichen und jungen Erwachsenen (12 – 25) des Kantons Basel-Stadt psychosoziale Beratung, Hilfe und Unterstützung für die Bewältigung von altersspezifischen Frage- und Problemstellungen.

Kontakt: Montag bis Freitag
Tel: +41 61 683 08 80/82
E-Mail: jugendberatung@juarbasel.ch
Web: www.jugendberatungbasel.ch

04.11.26

Newsletter
November 2026

Newsletter 05/2026

Prolog

Liebe Leserinnen und Leser
Liebe Freundinnen und Freunde von JuAr Basel
Liebe Alle

Wenn die Jugend auf die Strasse geht

Die Jugendlichen haben genug. Sie verlassen ihre Schulzimmer, gehen auf die Strasse. Zuerst sind es einige Hundert, bald Tausende. Sie haben genug von einer politischen Elite, die sich vor allem um sich selber kümmert, von der Korruption, von den fehlenden Perspektiven. Die Polizei rückt an. Tränengas, Schlagstöcke, Schüsse. Die Lage eskaliert.

«Winter’s here
And the days don’t last too long
Barely thimbles full of sunshine to go on
There’s an ocean full of midnight rolling right up to the door
I guess Bob’s just not your uncle anymore
»

(Walter Becker, 2002).

Und plötzlich sind die Jugendlichen nicht mehr allein. Erwachsene schliessen sich an. Menschen aus allen möglichen gesellschaftlichen Schichten, mit politischen Überzeugungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Leute, die sich unter normalen Umständen nicht einmal an denselben Tisch setzen würden. Aber sie sind sich in einem Punkt einig: So kann es nicht weitergehen.

Andere kommen dazu. Menschen, die im bestehenden System keinen Platz für sich finden, die längst jede Hoffnung aufgegeben haben, auf legalem Weg zu einem anständigen Leben zu kommen. Und dann sind da noch jene, die in solchen Situationen eine Gelegenheit wittern. Es wird randaliert und geplündert. Gebäude brennen. Die ursprünglichen Forderungen der Jugendlichen verschwinden zunehmend hinter einer gewaltigen Welle der Wut. Wer hier noch gegen wen kämpft, weiss bald niemand mehr so genau.

Frankreich? Nein. Nepal. Am 8. September 2025 begannen dort die Jugendproteste. Bereits am nächsten Tag stürzte die Regierung. Über 70 Menschen kamen ums Leben. Und als ein halbes Jahr später gewählt wurde, ging ein 35-jähriger ehemaliger Rapper als Sieger hervor. Balendra Shah, einst Bürgermeister von Kathmandu, wurde Premierminister. Die Weltgeschichte hat gelegentlich einen ziemlich ausgefallenen Sinn für Humor.

Nepal ist mir nicht fremd.

Vor rund zwanzig Jahren, etwa zu jener Zeit, als ich in den Vorstand der JuAr Basel kam, unternahm ich meine ersten Reisen in dieses Land. Damals herrschte dort Bürgerkrieg. Ich war auch zur Zeit der ersten Wahlen nach dem Ende des Krieges vor Ort. Gemeinsam mit dem Fotografen Christoph Gysin realisierte ich das Buch «Die Kinder von Shangrila» (Schwabe, Basel). Und während einiger Jahre wirkte ich im Vorstand der Stiftung Govinda, die in Nepal Hilfsprojekte betreut.

So ergab sich für mich eine ziemlich ungewöhnliche Konstellation. Ich konnte über mehrere Jahre hinweg Jugendliche in Basel und Nepal gleichzeitig beobachten. Hier eine wohlhabende mitteleuropäische Stadt mit einem ausgebauten sozialen Netz, dort eines der ärmsten Länder Asiens, gezeichnet von einem langen Bürgerkrieg. Hier Jugendliche, denen zumindest theoretisch fast alle Wege offenstanden, dort junge Menschen, für die schon eine bescheidene Schulbildung keine Selbstverständlichkeit war. Zwei Welten, zwischen denen Tausende Kilometer lagen. Und ich bewegte mich zwischen ihnen hin und her.

Das Spektrum, das sich mir dabei präsentierte, war enorm. Natürlich waren die Lebensumstände kaum miteinander vergleichbar. Aber die jungen Menschen beschäftigten sich keineswegs nur mit den Problemen, die wir Erwachsenen ihnen aufgrund ihrer Herkunft und ihrer wirtschaftlichen Situation zuschreiben würden. Auch in Nepal ging es um Selbstbestimmung, um Anerkennung, um die Frage, welchen Platz man in der Gesellschaft einnehmen möchte, die jungen Mädchen rieben sich sehr stark an der Rolle der Frauen in der traditionellen nepalesischen Gesellschaft. Doch auch in Basel erlebte ich Jugendliche, die sich ausgeschlossen fühlten, obwohl sie in einem der reichsten Länder der Welt lebten. Heute, angesichts der Unruhen in Nepal und der Protestbewegungen in verschiedenen europäischen Ländern, kommen mir diese Erfahrungen wieder in den Sinn.

Ich stelle dazu zwei Hypothesen auf.

Die erste: Die Jugend ist eine Art Sensor für den Zustand einer Gesellschaft. Junge Menschen reagieren besonders empfindlich, wenn die Verhältnisse aus dem Lot geraten. Vielleicht auch deshalb, weil sie die Zukunft, über die Politiker so gerne reden, noch vor sich haben. Und weil sie nicht bereit sind, sich mit den Erklärungen zufriedenzugeben, mit denen sich die Erwachsenen über die Widersprüche ihrer eigenen Gesellschaft hinwegtrösten.

Die zweite Hypothese ist etwas ungemütlicher. Wenn die allgemeine Unzufriedenheit gross genug ist, braucht es gar keine gemeinsame politische Überzeugung mehr, um eine Massenbewegung auszulösen. Es reicht, dass genügend Menschen die bestehenden Verhältnisse satthaben. Die einen wollen Reformen, andere einen Umsturz. Wieder andere wollen einfach nur ihrer Wut freien Lauf lassen. Sie gehen gemeinsam auf die Strasse, ohne wirklich gemeinsam unterwegs zu sein.

Das kann gefährlich werden. Denn eine solche Bewegung entwickelt irgendwann ihre eigene Dynamik. Die Jugendlichen, die den ersten Stein ins Wasser geworfen haben, können längst nicht mehr bestimmen, wie hoch die Wellen schlagen werden. Ich habe das als Teenager, der an den Jugendunruhen der 1980er Jahren teilgenommen hat, selbst erlebt.

Was bedeutet das für uns bei JuAr Basel?

Ich denke, wir sollten uns davor hüten, die Jugend lediglich unter dem Gesichtspunkt ihrer Probleme zu betrachten. Oder sie auf ihre Rolle als künftige Erwachsene zu reduzieren. Junge Menschen sind keine unfertigen Erwachsenen. Sie leben jetzt, in dieser Gesellschaft. Und sie nehmen deren Widersprüche bisweilen schärfer wahr als jene, die sich längst mit ihnen arrangiert haben.

Die Offene Jugendarbeit hat das Privileg, sehr nahe an diesen jungen Menschen zu sein. Wir begegnen ihnen, ohne dass sie etwas leisten, eine Prüfung bestehen oder sich politisch korrekt verhalten müssen, um bei uns willkommen zu sein. Wir können beobachten, wie sie sich entwickeln, wie sie ihre Welt begreifen und wo sie an deren Grenzen stossen.

Das ist nicht bloss eine soziale Aufgabe. Es ist auch eine Möglichkeit, etwas über unsere eigene Gesellschaft zu erfahren. Man muss allerdings zuhören wollen. Und gelegentlich auch Dinge hören können, die einem nicht besonders gefallen.

Herzlich
One Love
Christian Platz
Präsident JuAr Basel

JuAr Basel Insights

Youth Platform in der GGG Stadtbibliothek Basel am Standort Bläsi

Sensationelle neue Räume eingeweiht und bezogen

Wirklich ein Wurf, eine Wohltat für ein dicht besiedeltes Quartier, hell, freundlich, einladend, an der Einweihung der neuen GGG-Quartierbibliothek Bläsi, mit Regierungsratspräsident Conradin Cramer, waren sich alle einig. Diese Räume sind grossartig.

Am Innenleben dieser Räume ist auch JuAr Basel beteiligt. Unsere Leute von der youth platform machen dort seit Jahren innovative bibliotheks-spezifische Jugendarbeit. Unser Team konnte beim Umbau mitreden, Erfahrungen einbringen, aus der Sicht der Jugendlichen und der Jugendarbeit anliegen und Wünsche anbringen. Eine schöne Geschichte. Nach einem – recht friedlichen – Jahr im Quartierzentrum Union, das uns ein Provisorium ermöglichte, haben wir nun am Bläsiring 85 losgelegt.

Bildnachweis: Maria Patzschke

Hell, hochwertig, freundlich

Es ist als hätten die grossartigen Jugendbibliotheken im europäischen Norden Pate gestanden, alles ist hell, hochwertig, funktionales Design, aber mit freundlichen kleinen Schnörkeln, ein einladender Ort, mit einem deutlich sichtbaren Schwerpunkt auf Kinder und Jugendliche. Yasmin El-Aghar, Mitarbeiterin in unserem Team «Youth Platform» vor Ort, sagt etwas Interessantes: «Ja, dieser Schwerpunkt ist jetzt gesetzt. Aber eigentlich ist er schon lange da…»

Als die Gangs noch vorbeikamen

Ein Teil des Bibliothekspersonals, das schon seit Jahrzehnten hier arbeitet, hat enorme Erfahrung mit Jugendlichen, die waren schon hier, als die Quartier-Gangs noch vorbeigekommen sind. Sie hätten hier Situationen erduldet und bewältigt, die unsere ausgebebildeten Jugendarbeitenden nicht mal Ansatzweise tolerieren würden; Yasmine: «Situationen, in denen wir heute sagen, hey, das geht so nicht diese Gruppe muss für heute draussen bleiben, sieht für das Bibliothekspersonal eher harmlos aus.» Professionelle Abgrenzung und gleichzeitig Zeit für professionellen Beziehungsaufbau mit Jugendlichen, wie wir es in der offenen Jugendarbeit kennen, war zu dieser Zeit nicht möglich.

Eine schöne Entwicklung

Und schon sind wir bei der Geschichte unserer Jugendarbeit in den Bibliotheken der GGG Stadtbibliothek Basel, eine äusserst erfolgreiche Kollaboration seit über einer Dekade. Solche Zustände führten die GGG Stadtbibliotheken Basel dazu, mit JuAr Basel ein Konzept für Jugendarbeit zu entwickeln, unsere pensionierte Geschäftsführerin Elsbeth Meier war dabei federführend.

Innovationsbereit

Die Umsetzung dieses ersten Projekts war für uns alle ein Lernprozess, hatten wir doch für das innerstädtische Zentrum der GGG Stadtbibliothek im Schmiedenhof und die Quartiersbibliotheken nur minimale Stellenprozente zur Verfügung. Aber alle Teams, die in dieser Klammer arbeiteten waren innovationsbereit, machten Versuche, was gut war. Das war eine ganz und gar spannende Entwicklung. Und die Errungenschaften sind erstaunlich. Unser heutiges Team unter der Leitung von Simon Zimmermann wurde von vielen Bibliotheken, Hochschulen, Universitäten für Workshops eingeladen, im In- und Ausland. Eigentlich eine kleine Sensation, was hier entwickelt wurde. Aber zurück an den Bläsiring.

Hochkomplexe Manga-Epen

Man kann es wirklich so sagen: Aus einer Jugendecke ist eine richtige Jugendzone geworden, angenehm ausgedehnt und allen Ansprüchen gewachsen, gamen, gemütlich auf Sofas lesen, basteln, zeichnen, schreiben. Ein Zeichen, dass die GGG Stadtbibliothek Basel die Jugendarbeit ernst nimmt. Und, nur dass es gleich gesagt ist, viele Jugendliche, die hierher kommen sind eifrig am Lesen: Romanzyklen, Manga-Epen mit hochkomplexen Stories, mit Wendungen und Subhandlungen und ausgedehnten Pantheons an Figuren, die man erstmal auf die Reihe bekommen muss.

Offenes Gespräch auf dem Sofa

Yasmine El-Aghar freut sich über einen Raum besonders: «Ein eigenes Büro mit Sofa und eine Türe, die man zumachen kann, das ermöglicht uns endlich echte Jugendarbeit. Gerade letzte Woche ist ein Jugendlicher vorbeigekommen, mit dem noch nie ein Gespräch unter vier Augen möglich war, der jedoch sehr auffällig ist. Sobald andere Jugendliche dabei sind, kann man kein vernünftiges Gespräch mit ihm führen. Nun konnte ich ihn ins Büro einladen, mit ihm aufs Sofa sitzen und wir haben uns bestens unterhalten, ein offenes Gespräch geführt. Er hat mir alles über sein Leben erzählt, seither haben wir ein Vertrauensverhältnis. Das Büro mit eigener Küche ist wirklich ein grosses Geschenk.»

Jugendliche direkt einbezogen

Dieser neugestaltete Ort hier zeigt auf, dass die GGG Stadtbibliothek Basel unser Team nicht einfach als Leute betrachtet, die ein Angebot machen, sondern dass die Bibliothek den Bedürfnissen Jugendlicher auf Augenhöhe begegnet und die Jugendarbeitenden ernst nimmt. Zumal hier zwei Organisationen mit recht unterschiedlichen Organisationslogiken zusammenwirken. Der Erfahrungsschatz unseres Teams ist in die Gestaltung unserer neuen Räumlichkeiten eingeflossen. Zudem wurden Jugendliche ganz direkt in die Raumgestaltung einbezogen, etwa bei den Farbelementen, da wurden den Jugendlichen Beispiele gezeigt, sie durften direkt auswählen und entscheiden.

«Wir danken der GGG Stadtbibliothek Basel für die grossartige Zusammenarbeit.»

Christian Platz, Präsident JuAr Basel

Mehr zur Youth Platform – GGG Stadtbibliothek

JuAr Basel-Talk

MOMENT_AUFNAHME

«Ich lerne auch von unseren Praktikumsleuten»

Bei JuAr Basel wird nicht nur Jugendarbeit geleistet, bei uns wird auch fleissig gelernt. Und zwar in beide Richtungen. Junge Sozialarbeitende absolvieren ihre Praktika in unseren Jugendzentren, werden Teil der Teams, mischen mit, denken mit und bringen frischen Wind in die Häuser. Damit das alles nicht einfach nach dem Prinzip «Schwimm oder geh unter» funktioniert, gibt es in jedem Jugendzentrum eine Fachperson, die für die Praxisanleitung zuständig ist. Und weil eine ordentliche Ausbildung auch einiges an Organisation und Administration mit sich bringt, verfügt JuAr Basel über eine zentrale, unabhängige Praktikumsbetreuung. Hier kommt Mesut Bulut ins Spiel. Er arbeitet im Jugendzentrum Lava in Birsfelden und kümmert sich in einem Teilzeitpensum um unseren sozialarbeiterischen Nachwuchs. Für ihn sind die Praktikumsleute weit mehr als Lernende, die irgendwann mit einem Diplom weiterziehen. Sie sind eine Bereicherung für die ganze Organisation. Denn sie bringen neue Ideen, andere Sichtweisen und manchmal auch die eine oder andere liebgewonnene Gewissheit ins Wanken. Und genau das, findet Mesut, tut den Teams ausgesprochen gut.

Bild: Mesut Bulut, JuAr Beauftragter für die Praxisausbildung

Also Mesut, fangen wir an. JuAr Basel ist ja auch ein Ausbildungsbetrieb. Du betreust die Leute, die bei uns ein Praktikum machen. Seit einigen Jahren gibt es diese zentrale Stelle, die sich aktiv um die Auszubildenden kümmert. Was sind das für Leute, die sich bei uns ausbilden lassen?

Mesut Bulut: Ich erlebe sehr motivierte junge Menschen, die wirklich Lust auf den Job haben, Lust darauf, so direkt mit Jugendlichen zu arbeiten. Das merke ich schon bei den Einstellungsgesprächen. Vorher stellen sich die Leute ja direkt in den Jugendzentren vor, dort wird auch die Auswahl getroffen. Danach kommen sie zu mir. Es ist eine sehr durchmischte Gruppe, auch was die Geschlechter anbelangt. Wobei sich immer noch etwas mehr Frauen als Männer für diese Ausbildung entscheiden. Aber die Männer holen auf. Auf jeden Fall sind es mehr als damals, als ich meine Ausbildung machte. Generell sind das sehr interessierte, neugierige und wissbegierige Leute.

Sind das vor allem sehr junge Menschen, die ein solches Praktikum anfangen?

Es sind schon eher junge Leute, aber wir haben durchaus Ausschläge nach oben. Momentan haben wir eine 27-jährige Praktikantin, wir hatten auch schon Leute in ihren Dreissigern. Rund 70 Prozent sind allerdings zwischen 20 und 25 Jahre alt. Das ist so der Altersrahmen, in dem wir uns hauptsächlich bewegen.

Wie sieht Dein Aufgabenfeld konkret aus? Was machst Du mit denen?

Ich führe die Einstellungsgespräche, erledige die Formalitäten und mache die Verträge mit ihnen. Und sie können sich jederzeit an mich wenden, wenn es irgendwelche Probleme oder Missverständnisse geben sollte. Im ersten Teil des Praktikums wirke ich eher im Hintergrund, denn in den Jugendzentren haben sie ja ihre eigenen Praxisanleitungen. Viermal im Jahr organisiere ich eine Praktikums-Austauschsitzung, zu der alle kommen. Wir treffen uns, sind offen für alle möglichen Themen und reflektieren gemeinsam, was momentan so läuft und welche Erfahrungen die Praktikumsleute in ihren Treffs gemacht haben. Am Ende jedes Praktikums führe ich zudem ein Abschlussgespräch. Da will ich nochmals genau hinhören: Wie lief das Praktikum für Dich? Hat etwas gefehlt? War alles super? Oder hättest Du Dir noch etwas gewünscht? Und ich überreiche ein kleines Dankeschön von JuAr Basel. Dafür, dass sie uns als Ausbildungsbetrieb ausgewählt haben. Und natürlich für die Arbeit, die sie bei uns geleistet haben. Denn bei JuAr Basel sind die Auszubildenden ein wichtiger, ja notwendiger Bestandteil der Teams. Sie helfen mit, den Betrieb in unseren Angeboten aufrechtzuerhalten, und leisten dabei sehr viel gute Arbeit. Also sollen sie auch die entsprechende Wertschätzung erfahren.

Und ich muss schon sagen: Wir haben hier eine Kultur des ehrlichen Feedbacks. Wir ermutigen die Leute ausdrücklich dazu. In den allermeisten Fällen fällt das Feedback, das wir erhalten, sehr positiv aus. Und das ist natürlich hoch erfreulich.

Mich interessieren nun diese vier Treffen im Jahr. Wird da frei von der Leber weg erzählt?

Jaja, nach einiger Zeit in den Jugendzentren haben die schon einiges zu erzählen! Sie freuen sich über den Austausch. Und sie lernen einander an diesen Treffen auch kennen, schliesslich arbeiten sie ja an unterschiedlichen Orten. Es ist ja schön, dass unsere Jugendzentren alle ihren ureigenen Charakter haben. Das ist eine lockere, angenehme Stimmung, in der die meisten etwas erzählen. Ich habe da natürlich auch offene Ohren, falls von Problemen oder Unstimmigkeiten berichtet wird. Was in meiner bisherigen Zeit kaum vorgekommen ist, jedenfalls nichts Gravierendes. Und dann ist das natürlich keine Einbahnstrasse. Ich kann Einzelgespräche führen oder Gespräche mit der jeweiligen Praxisanleitung organisieren. Aber wie gesagt, meistens läuft alles prima.

Gibt es bei diesen Treffen Themen, die immer wieder auftauchen? Dinge, denen Du öfter begegnest?

Das grosse Thema ist immer wieder Nähe und Distanz. Gerade am Anfang der Berufszeit in einem Jugendzentrum. Wie gehe ich mit Jugendlichen um, die mich zu sehr als Kumpel sehen? Der Altersunterschied zwischen den meisten Praktikumsleuten und den Jugendlichen ist ja noch nicht besonders gross. Wie setze ich mich in bestimmten Situationen durch? Wo muss ich Grenzen aufzeigen und setzen? Die Praktikumsleute sind noch neu, sie wollen die Jugendlichen auch nicht verärgern und haben da gewisse Hemmungen. Was ja auch gesund ist. Aber das Fingerspitzengefühl, das in der Jugendarbeit notwendig ist, muss eben erst erlernt werden. Das geht nicht von einem Tag auf den anderen. Wenn jemand, der ein Praktikum macht, nur zwei oder drei Jahre älter ist als die Jugendlichen, möchten manche natürlich auf Kumpel machen. Sie möchten Freundschaft, zusammen abhängen. Aber so läuft das halt nicht. Den Umgang mit solchen Situationen, diese klare Linie, entwickeln unsere Auszubildenden im Verlauf ihrer Praktika.

Es ist ja die Grundlage der Beziehungsarbeit, dieses Agieren mit Nähe und Distanz. Da müssen alle Jugendarbeitenden ihren eigenen Stil finden. Und den müssen sie erst entwickeln.

Also, ganz wichtig ist, dass die Jugendlichen klar erkennen, wann Du etwas ernst meinst. Dass Du klare Grenzen setzen kannst und die Jugendlichen auch merken: So, jetzt ist der Spass vorbei! Wenn Du das nicht kannst, musst Du daran arbeiten. Aber diese Fähigkeit kommt mit der Erfahrung. Da trittst Du einige Male in solche Fettnäpfchen, reflektierst das ordentlich und wächst daran. Und genau das ist es ja, was unsere Praktikumsleute bei JuAr Basel machen.

Jetzt haben wir ausführlich darüber gesprochen, was die Praktikumsleute bei uns lernen. Drehen wir den Spiess einmal um: Was lernen wir eigentlich von ihnen? Und was lernst Du persönlich von diesen jungen Menschen?

Eine ganze Menge! Die kommen ja nicht einfach als leere Gefässe zu uns, die wir dann mit unserem Wissen füllen. Sie bringen ihre eigenen Erfahrungen, ihre Sichtweisen und ihre Ideen mit. Und manchmal sehen sie Dinge, die wir, die schon länger dabei sind, gar nicht mehr so wahrnehmen. Weil wir uns an gewisse Abläufe gewöhnt haben oder weil wir denken: Das machen wir halt so. Dann kommt jemand Neues und fragt: Warum eigentlich? Könnte man das nicht auch ganz anders machen? Und plötzlich merkst Du, dass da etwas dran ist. Ich finde, das ist eine grosse Bereicherung. Wir bilden diese jungen Leute aus, klar. Aber wir können auch von ihnen lernen. Und ich persönlich tue das immer wieder.

Mehr zur Praxisausbildung in der JuAr

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