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Beziehungsarbeit in der Offenen Jugendarbeit: Warum Vertrauen der Schlüssel ist

Ein Blick in die Praxis des Jugendzentrums Neubad

Bild: Mitarbeiterin Jennifer Küng am Billardtisch im Jugendzentrum Neubad

«Wie viel Nähe braucht es? Wie viel Distanz ist notwendig?» Diese Frage begleitet Fachpersonen der Offenen Jugendarbeit beinahe täglich. Die Antwort darauf ist nie einfach und doch entscheidet sie oft darüber, ob Jugendliche Vertrauen fassen, Unterstützung annehmen und sich aktiv einbringen.

Beziehungsarbeit gehört zu den wichtigsten Grundlagen der Offenen Jugendarbeit. Sie schafft den Zugang zu jungen Menschen, ermöglicht Mitwirkung und bildet die Basis dafür, Jugendliche in ihrer Entwicklung zu begleiten. Ohne Beziehung entsteht kaum Vertrauen – und ohne Vertrauen bleibt pädagogische Wirkung oft aus.

Beziehung als professionelle Haltung
Beziehungsarbeit bedeutet weit mehr als das gemeinsame Verbringen von Zeit. Sie ist eine bewusste, reflektierte und professionelle Arbeitsweise. Fachpersonen begegnen Jugendlichen auf Augenhöhe, nehmen ihre Anliegen ernst und schaffen Räume, in denen sie sich ausprobieren, Verantwortung übernehmen und eigene Ideen verwirklichen können.

Dabei geht es nicht darum, alles gutzuheissen oder Grenzen aufzulösen. Im Gegenteil: Gerade eine gelingende Beziehungsarbeit zeichnet sich dadurch aus, dass sie Nähe und professionelle Distanz miteinander verbindet. Jugendliche erfahren Verlässlichkeit, klare Regeln und faire Rahmenbedingungen – unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem sozialen Hintergrund oder ihrer Persönlichkeit.

Jennifer Küng über den Wechsel ins Jugendzentrum Neubad
Jennifer «Jenny» Küng arbeitet heute im Jugendzentrum Neubad von JuAr Basel und ist dort für den Offenen Treff verantwortlich. Zuvor war sie viele Jahre im Jugendzentrum Eglisee tätig. Der Wechsel bedeutete für sie nicht nur ein neues Quartier, sondern auch den Aufbau neuer Beziehungen.

Für Jenny Küng ist Gleichbehandlung ein zentraler Bestandteil professioneller Beziehungsarbeit:

«Es darf nicht sein, dass man im Treff Lieblingskinder hat. Alle Jugendlichen haben dieselben Rechte, dieselben Möglichkeiten und kennen dieselben Regeln.»

Ihre Erfahrung zeigt, wie sensibel Jugendliche auf Fairness reagieren. Gleichzeitig entstehen dort wichtige Lernmomente: Wer sich engagiert, Verantwortung übernimmt oder sich aktiv für das Jugendzentrum einsetzt, erlebt unmittelbar, dass eigenes Handeln etwas bewirken kann.

Das Jugendzentrum Neubad liegt in einem Quartier mit einer anderen sozialen Struktur als beispielsweise das Jugendzentrum Eglisee. Viele Jugendliche wachsen in gut situierten Familien auf, gleichzeitig treffen auch hier unterschiedlichste Lebensrealitäten, Kulturen und Herausforderungen aufeinander.

Die Themen unterscheiden sich deshalb kaum von anderen Quartieren: Freundschaft, Konflikte, Social Media, Vaping, Ernährung, Gewalt oder der erste Umgang mit dem Smartphone beschäftigen Jugendliche unabhängig vom Wohnort.

Das Team des Jugendzentrums Neubad greift diese Themen im Alltag niederschwellig auf – in Gesprächen, Projekten, Workshops oder spontanen Aktivitäten. Die Grundlage bleibt dabei immer dieselbe: eine tragfähige Beziehung zu den Jugendlichen.

Redaktioneller Hinweis:
Dieser Blogbeitrag entstand auf Basis des im JuAr Basel Newsletter veröffentlichten Artikels von Christian Platz sowie des darin enthaltenen Gesprächs mit Jennifer Küng. Für die Webseite wurde der Inhalt redaktionell überarbeitet und gekürzt.

Lesen Sie das ganze Gespräch hier.